• Ungeeignete Lebensmittel bei Histaminintoleranz

Update: Symptome der Histaminintoleranz

Von |2021-04-15T07:59:42+02:00April 16th, 2021|Kategorien: Histaminintoleranz|Tags: , |

An diesen Beschwerden lässt sich eine Histaminintoleranz erkennen

Die Liste der Symptome, die mit einer Histaminintoleranz in Verbindung stehen, haben eine Gemeinsamkeit: Sie lassen sich nicht eindeutig der HIT zuordnen.

Hautausschlag und Hautrötungen könnten beispielsweise auch auf eine Kontaktallergie hinweisen. Magen-Darm-Beschwerden sind Symptome von diversen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und auch von Darmerkrankungen. Kopfschmerzen oder gar Migräneattacken werden heutzutage gerne Stress und Leistungsdruck zugeschrieben. Herz-Rhythmus-Störungen und Blutdruck werden nicht selten als Veranlagung abgetan. Regelschmerzen verbuchen Frauen nun mal als lästige „Frauenbeschwerden“ und Husten, Schnupfen und die rinnende Nase können Anzeichen von Heuschnupfen ebenso sein wie die Vorboten einer Erkältung.

All diese unspezifischen Symptome können aber auch auf eine Histaminintoleranz hinweisen oder das Resultat von umherfliegenden Pollen, einer ungesunden Lebensweise oder Stress sein. Was diese unspezifischen Symptome zu Symptomen der Histaminintoleranz macht, zeigt der folgende Beitrag, denn der Unterschied liegt in der Kausalität.

Was bedeutet Kausalität mit Blick auf die Symptome der Histaminintoleranz?

Unter Kausalität lässt sich die Tatsache verstehen, dass eine bestimmte Handlung eine Folge auslöst. Angewandt auf die Histaminintoleranz bedeutet das: Bekommt der Körper Histamin, reagiert er darauf. Da er Histamin aber nicht verarbeiten oder abbauen kann, reagiert er mit einer Abwehrreaktion, die ganz unterschiedlich ausfallen kann. Möglich ist also, dass Histamin im Körper für Magen-Damen-Beschwerden, Ausschlag, Kopfschmerzen, Lungenbeschwerden, Schnupfen sowie Probleme im Herz-Kreislaufsystem sorgt. Diese Kausalität zu erkennen, ist der erste und auch wichtigste Schritt, um die unspezifischen Symptome als Folge einer Histaminintoleranz zu erkennen und zu verstehen.

Wie gelangt Histamin in den Körper?

Um den Zusammenhang zwischen der Histaminzufuhr und den Symptomen einer Histaminintoleranz verstehen zu können, ist es wichtig, die Pforten zu kennen, über die das Histamin in den Körper gelangt. Es gibt zwei Zugänge für Histamin in den Körper:

  1. Histamin wird über Lebensmittel aufgenommen. Da der Körper mit dem Abbau von Histamin überfordert ist, reagiert er – und zwar mit den bereits genannten Symptomen.
  2. Histamin gelangt aus Gewebezellen in den Körper. Dabei ist nicht das Lebensmittel selbst für die Histaminzufuhr verantwortlich, wohl aber setzt das Nahrungsmittel Histamin aus Gewebezellen frei und sorgt so für die Reaktion des Körpers, die sich in den bereits genannten Symptomen bei Histaminintoleranz äußert. Im Fachjargon ist die Rede von Histaminliberatoren, also Lebensmitteln, die Histamin im Körper freisetzen, ohne selbst in der Liste der histaminhaltigen Lebensmittel zu stehen.

Welche „Dosis“ an Histaminen aus Lebensmitteln oder aus Gewebezellen dafür sorgt, dass die Symptome der Histaminintoleranz auftreten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Welche Lebensmittel liefern Histamin oder verursachen die Freisetzung im Körper?

Während histaminreiche Lebensmittel vielfach bekannt sind, sind histaminliberierende (= freisetzende) Lebensmittel häufig unbekannt. Die folgende Tabelle zeigt, welche Lebensmittel Histamin direkt liefern und welche die Ausschüttung von Histamin aus den Gewebezellen bedingen:

Diese Lebensmittel liefern Histamin:

  • Gemüse: Sauerkraut, Tomate
  • Käse und Milch: Hartkäse, laktosefreie Milch, Rohmilchprodukte
  • Wurst und Fleisch: roher Schinken, Salami, Geräuchertes, Landjäger, Leberwurst, Speck
  • Fisch: in Form von Fischkonserven, nicht fangfrischer Fisch
  • Getreide und Beilagen: Backwaren mit Hefe, Sauerteig
  • Getränke: Kakao, Wein, Spirituosen
  • Sonstiges: Weinessig, Balsamico, Fertiggerichte, Hefe, Schokolade, Sojaprodukte, Sojasauce

Diese Lebensmittel begünstigen die Freisetzung von Histamin im Körper:

  • Obst: Ananas, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Papaya, Grapefruit, Birnen, Orangen, Bananen, Himbeeren, Kiwi
  • Gemüse: Hülsenfrüchte (Bohnen etc.), Pilze
  • Fisch: Meeresfrüchte
  • Getreide und Beilagen: Weizenkeime
  • Getränke: Alkohol, grüner und schwarzer Tee, Energy Drinks, Fruchtsäfte, Kaffee
  • Sonstiges: Walnüsse, Cashewnüsse, Zusatzstoffe in Lebensmitteln, Anis, Nelken, Chili, Muskat, Thymian

Als Faustformel gilt: Vor allem haltbare Lebensmittel, wie etwa Eingelegtes, Konserviertes und Geräuchertes ist reich an Histamin und sollte bei Verdacht einer Histaminintoleranz erstmal vom Speiseplan gestrichen werden. Tiefkühlkost, die frisch eingefroren wurde, enthält weniger Histamin als Konserven. Am besten ist und bleibt frische Ware, die zügig verzehrt wird. Hier gibt es weitere hilfreiche Lebensmittellisten zum Nachschlagen.

Gibt es keinen einheitlichen Fahrplan?

Eine verbindliche Tabelle, welche Lebensmittel genießbar sind, ohne Symptome auszulösen, kann es nicht geben. Jeder Körper reagiert anders und auch Reifegrad, Herkunft, Verarbeitung und Lagerung der Lebensmittel haben einen Effekt auf den Histamingehalt.

Tipp:

Ernährungstagebuch mit genauer Symptombeschreibung erstellen

Wer punktuell beobachtet, dass die erwähnten Lebensmittel zu den eingangs notierten unspezifischen Symptomen führen könnten, tut gut daran, ein ausführliches Ernährungstagebuch zu erstellen. Das hilft nicht nur dabei, das „Gefühl“ zu überprüfen, ob es sich wohl um eine Histaminintoleranz handelt, sondern auch, um im Fall einer Unverträglichkeit gemeinsam mit dem Arzt einen Ernährungsfahrplan zu erstellen, der die Symptome nachhaltig reduzieren kann.

Mit Blick auf Bauch, Kopf, Herz-Kreislaufsystem sowie Hals, Nase und Lunge sind die Symptome möglichst genau zu notieren. Worauf zu achten ist, zeigt die folgende Tabelle:

Magen und Darm

  • Bauchschmerzen
  • Blähbauch
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Magenkrämpfe
  • Sodbrennen
  • Stuhldrang
  • Übelkeit
  • Völlegefühl

Haut

  • Hautrötungen
  • Nesselsucht
  • Neurodermitis
  • Quaddeln
  • Schwellungen

Kopf

  • Kopfschmerzen
  • Migräne

Lunge

  • Asthma
  • Atemnot
  • Auswurf
  • Husten
  • Räuspern
  • Reizhusten

Nase und Nebenhöhlen

  • Fließschnupfen
  • Laufende Nase
  • Niesattacken
  • Rhinitis
  • Verstopfte Nase

Herz-Kreislauf-System

  • Durchblutungsstörungen
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzstolpern
  • Hypertonie
  • Hypotonie

Warum zeigen sich die Symptome an eben diesen Körperstellen?

Warum vor allem Magen und Darm darunter zu leiden haben, wenn histaminhaltige Lebensmittel verzehrt werden, liegt natürlich daran, dass Lebensmittel Magen und Darm passieren – und der Körper eben dort nicht „fachgerecht“ mit dem Histaminüberschuss umgehen kann.

Dockt das Histamin dann an den Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt an, werden diese Andockstellen aktiviert. Das bedeutet: Der Darm bewegt sich (mehr als er sollte) und der Betroffene bekommt Durchfall oder Bauchschmerzen.

Hautbeschwerden treten hingegen nicht etwa auf, weil Betroffene histaminhaltige Lebensmittel anfassen und dann konsumieren. Stattdessen zeigt sich hier, was Histaminliberatoren „anrichten“ können. Die Mastzellen, die Histamin im Körper speichern, sitzen nämlich genau dort: in der Haut. Sie gehören zum körpereigenen Immunsystem und schlagen Alarm in Form von Rötungen und Ausschlägen. So entstehen Hautrötungen, weil Histamin ausgeschüttet wird. Auch wird bei manchen Menschen direkt nach dem Verzehr von histaminhaltiger Kost eine spontane Hautrötung sichtbar, die als Flush bezeichnet wird und ein Symptom einer Histaminintoleranz ist.

Die Erweiterung der Blutgefäße bedingt diverse Symptome einer Histaminintoleranz und kann unter anderem zu Kopfschmerzen und Migräneattacken führen. Zudem führt die Erweiterung der Gefäße dazu, dass Blutplasma in großen Mengen in die Schleimhaut strömt. Das hat im Bereich der Bronchien und der Nasennebenhöhlen die Folge, dass die Körperpartien anschwellen. Atemnot, Hustenreiz und Auswurf sind die Folge, wenn sich die Muskulatur in den Bronchien verkrampft. Eine verstopfte oder laufende Nase ist die Folge, wenn die Nasenschleimhaut anschwillt.

Auch massive Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem und den Blutdruck sind denkbar. Diese Symptome einer Histaminintoleranz sind mitunter am gefährlichsten und werden von Betroffenen nicht selten auch als Bedrohung wahrgenommen. Der unkontrollierte Anstieg oder Abfall des Blutdrucks, Panikattacken sowie ein unkontrollierter Herzschlag können durchaus beängstigend sein. Lassen sich diese Symptome unabhängig vom Histaminkonsum beobachten, ist dringend ein Arzt aufzusuchen.

Löst vielleicht ein Nährstoffmangel die Histaminintoleranz aus?

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Annahme nicht, denn Studien haben gezeigt, dass ein Mangel an Tryptophan, Magnesium, Kupfer, Zink sowie an Vitamin B6 und Vitamin C sich negativ auf die Aktivität der Diaminoxidase (DAO) im Körper auswirken kann. Doch genau dieses Enzym wird immer dann gebraucht, wenn Histamin konsumiert wird, denn schließlich soll DAO Histamin verarbeiten.

Der empfohlene Tagesbedarf zu den genannten Nährstoffen ist höchst unterschiedlich, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

Nährstoff

Empfohlener

Tagesbedarf

Kupfer 1,0 – 2,5 mg
Magnesium

300 bis 400 mg

Tryptophan 3,5 – 6,0 mg

pro Kg Körpergewicht

Vitamin B6 1,4 – 1,6 mg
Vitamin C 95 – 110 mg
Zink 7,0 – 11,0 mg

Problematisch ist an dieser Stelle vor allem, dass die Lebensmittel, die die Nährstoffe auf natürlichem Wege zuführen könnten, reich an Histamin sind und deswegen bei dem Verdacht auf eine Histaminintoleranz erstmal vom Speiseplan gestrichen werden.

  • Lebensmittel, die reich an Kupfer sind, sind beispielsweise Hartkäse, Kakaopulver, Schweineleber und Sojabohnen.
  • Auch Hülsenfrüchte und Nüsse, die reich an Magnesium wären, sollten Menschen mit einer Histaminintoleranz besser nicht zu sich nehmen.
  • Tryptophan-Lieferanten sind Fisch, Fleisch, Käse, Hülsenfrüchte und Eiweiß, die per se bereits als Histaminbomben bekannt sind.
  • Vitamin B6 ist beispielsweise reichlich in Tomaten, Hülsenfrüchten, Fleisch, Leber und Fisch vorhanden.
  • Vitamin C ließe sich ohne Verdacht auf eine Histaminintoleranz gut mit Obst zuführen. Mit Symptomen einer Histaminintoleranz schrumpft die Liste möglicher Obstsorten hingegen deutlich. Histaminarm sind beispielsweise Hagebutten. Mit Blick auf die Riege der Gemüsearten, zeigt sich ein ähnliches Bild, denn histaminarme Gemüsesorten, die noch dazu reich an Vitamin C sind, sind rar. Infrage käme beispielsweise die Paprika, die kein Histamin enthalten.
  • Zink rein über histaminarme Lebensmittel zuzuführen, könnte schwierig werden. Es ist unter anderem in Austern, Hartkäsesorten und Leber enthalten, doch diese Lebensmittel sind bedenklich, wenn es um die Regulierung der Symptome einer Histaminintoleranz geht.

Besteht der Verdacht, dass der Betroffene an einem Nährstoffmangel leidet, sollte gemeinsam mit einem Arzt ggf. ein geeignetes Präparat ausgewählt werden, das den Nährstoffmangel nivelliert.


Fotonachweis: Histaminreiche Lebensmittel, (c) adobe media. Different meat and cheese products with red wine on dark wooden table, von bit24

AUTORIN

Steffi Brand

KATEGORIE

Histaminintoleranz

GEPOSTED AM

16. April 2021

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