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Isoglucose (HFCS): Neue EU-Regeln gefährden nicht nur Fructoseintolerante

Von |2020-09-08T09:25:29+02:00Juli 16th, 2020|Kategorien: Fructoseintoleranz|Tags: , , , |

Maissirup überschwemmt Europa mit fatalen Folgen

Bis vor wenigen Jahren wurde der Zuckermarkt der EU gesetzlich geregelt mit dem Ziel, den Absatz einheimischer Zuckerarten zu schützen. Ohne großes Aufsehen ist diese Maßnahme zum 30. September 2017 ausgelaufen, was erhebliche Konsequenzen bei Verbrauchern und insbesondere bei Menschen mit Fructoseintoleranz nach sich zieht. Sie betrifft nämlich die Verwendung von stark fructosehaltiger Isoglucose, die bisher einer Quote unterlag und nun freigegeben ist.

Isoglucose (HFCS) / Maissirup

Isoglucose wird auch als High Fructose Corn Sirup (HFCS), Glucose-Fructose-Sirup bzw. Fructose-Glucose-Sirup oder noch einfacher als Maissirup bezeichnet. Isoglucose besteht bis zu 90 % aus Fructose und wird aufgrund seiner enormen Süßkraft und wegen niedriger Herstellungskosten von der Industrie bevorzugt in Lebensmitteln eingebracht. Der Wegfall der Isoglucose-Quote öffnet auch der europäischen Lebensmittelindustrie Tür und Tor zu einer ungebremsten Verwendung dieses Fructosesirups.

Was ist das Problematische an Isoglucose?

Der hohe Anteil stark übergewichtiger Personen (auch Kinder und Jugendliche) in den USA hat sich in Europa bereits herumgesprochen. Doch einer der Hauptgründe ist vielen nicht bekannt: Es ist der (meist unbewusste) Konsum von Isoglucose in großen Mengen. In US-amerikanischen Supermärkten gibt es sogar Honigsorten, die keine Pollen, dafür aber geschmacksführende Zutaten nebst Isoglucose enthalten. Softdrinks wie Limonaden und Colagetränke werden ebenso mit Maissirup gesüßt wie Fertigspeisen, Süß- und Backwaren. Während der Isoglucose-Anteil aller Zuckersorten in Europa bisher bei rund 5 % lag, beträgt er in den USA ganze 50 %. Gewöhnlicher Haushaltszucker steht auf der Liste krankheitsverursachender Lebensmittel weit oben. Dies gilt allerdings nur bei unüblich großen Verzehrmengen. Isoglucose ist im direkten Vergleich viel gefährlicher, da sie weniger sättigt und die Entstehung von hohem Blutdruck (ab 74 g pro Tag), Übergewicht und Diabetes Typ-2 nachweislich fördert.

Maissirup und Übergewicht

Isoglucose wird zudem meist aus genmodifiziertem Mais gewonnen, über dessen Gefährlichkeit in der Fachwelt unterschiedliche Ansichten bestehen. Da Maissirup kaum sättigt, nimmt man automatisch mehr davon zu sich. Die für Europäer ungewöhnlich großen Verkaufspackungen vieler Lebensmittel in US-amerikanischen Supermärkten sind zum Teil auf die Verwendung dieser nicht süßenden Zuckerart zurückzuführen. Mitte der 70er Jahre begann in den USA die industrielle Umstellung von kristallinem Zucker auf Isoglucose. Zeitgleich nahm auch der Anteil Übergewichtiger im selben Maße zu.

Zink Folsäure Tryptophan Fructophan

Besonders gefährdet: Personen mit Fructoseintoleranz

Für Personen mit Fructoseintoleranz hat diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Da Fructose nicht explizit auf der Zutatenliste ausgewiesen wird, wissen sie häufig nicht, ob bzw. dass ein Lebensmittel mit Fructose angereichert wurde. Anders sieht es bei der Laktoseintoleranz aus: Stark milchzuckerhaltige Zutaten wie Magermilchpulver müssen in Fettschrift auf der Zutatenlisten genannt werden.

Der glykämische Index (GI), der bei Insulinausschüttung und Blutzuckerspiegel eine Rolle spielt, liegt bei Fructose bei 35, bei Saccharose bei 59. Deshalb wird Fructose für die gesündere der beiden Zuckerarten gehalten. Doch der Glucoseanteil im Haushaltszucker Saccharose hilft, die Fructose zu verdauen und ist deshalb für Fructose-intolerante weitaus besser verträglich. Wer fructoseintolerant ist, sollte daher auch die Zutatenlisten von Speisen und Getränken nach Fructose-Glucose-Sirup, Glucose-Fructose-Sirup, Maissirup oder Isoglucose durchsuchen und diese Lebensmittel entsprechend meiden.


Fotonachweis:
Symbolfoto, Einkaufswagen voller Einkäufe in einem Supermarkt, von benjaminnolte, adobe Stock

AUTOR

Thilo Schleip

KATEGORIE

Fructoseintoleranz

GEPOSTED AM

16. Juli 2020

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