Die Diagnose der Fructoseintoleranz
Diagnose: Wie wird die Fructoseintoleranz festgestellt?
Die gesicherte Diagnose einer Fructoseintoleranz erfolgt meist mittels H2-Atemtest beim Hausarzt, beim Facharzt für Innere Medizin, beim Gastroenterologen oder in der gastroenterologischen Ambulanz einer Klinik. Aber Vorsicht: Bei manchen Betroffenen verläuft der Test falsch negativ und Menschen mit Verdacht auf eine hereditäre Fructoseintoleranz dürfen ihn gar nicht ausführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, ist allerdings gering. Schließlich wird diese angeborene Form in der Regel bereits im Säuglingsalter festgestellt.

Wenn Sie mehr als 20 Punkte haben, dann sollten Sie eine Fructoseintoleranz abklären bzw. in Erwägung ziehen.
Der H2-Atemtest
Beim Wasserstoff (=H2)-Atemtest wird die Ausatemluft des Probanden auf den Gehalt von Wasserstoff hin gemessen. Dazu erscheint der Patient morgens mit nüchternen Magen und ohne sich die Zähne geputzt zu haben, in der Praxis oder Klinik. Dort bekommt man eine reine Wasserlösung mit 25 g Fruchtzucker zu trinken und muss danach insgesamt zwei Stunden lang alle 15 Minuten in ein Messgerät pusten. Der Wasserstoffgehalt der Atemluft wird gemessen und präzise notiert. Außerdem werden Symptome, falls welche auftreten, im Bericht festgehalten.
Zu Beginn der Messung sollte der Wasserstoffgehalt nur geringfügig über Null liegen, ansonsten ist keine Testung möglich und der Patient wird direkt wieder mit einem neuen Termin nach Hause geschickt. Steigt der Wasserstoffgehalt bei den folgenden Messungen um mehr als 20 ppm (parts per million) an, so gilt die Diagnose Fructoseintoleranz als gesichert. Warum ist das so?

Schematische Darstellung der H2-Abatmung nach Fructosekonsum.
Aus: Fructoseintoleranz, Thilo Schleip, TRIAS Verlag 2020
Gelangen Fructosemoleküle in größerer Zahl unverdaut bis in den Dickdarm, so werden sie von den dort ansässigen Darmbakterien fermentiert. Hierbei entstehen neben kurzkettigen Fettsäuren die Gase Wasserstoff (H2), Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2). Die Gase diffundieren durch die Darmwand werden vom Blutkreislauf unter anderem in die Lungen transportiert, wo sie abgeatmet werden. Genau diese Wasserstoff-Abatmung wird gemessen. Übrigens: Gase in der Blutzirkulation sind auch für Benommheits- und Schwindelgefühle verantwortlich.
Bezüglich der zu verwendenden Fructosemenge ist man dazu übergegangen, nur noch 25 g anstelle der vor wenigen Jahren üblichen 50 g zu verwenden. Man möchte so vermeiden, dass es zu falsch positiven Ergebnissen kommt. Allerdings gibt es auch Stimmen unter den Wissenschaftlern, die diese Menge für zu gering erachten. Fructosemengen über 25 g seien durch verzehrsübliche Portionen von Fruchtsäften und Süßwaren insbesondere bei Verwendung des mittlerweile auch in der EU gängigen HFCS (High Fructose Corn Sirup = stark fructosehaltiger Maissirup) leicht zu erreichen. Falsch negative Untersuchungsergebnisse seien dadurch nicht ausgeschlossen.
Hier weiterlesen: Ernährungstherapie der Fructoseintoleranz
Quellen:
Barrett JS et al. (2010): “Dietary fructose intolerance, fructose malabsorption and the low FODMAP diet.” Journal of Gastroenterology and Hepatology. DOI: 10.1111/j.1440-1746.2010.06350.x
Rumessen JJ (1992): “Fructose and fructose malabsorption.” Scandinavian Journal of Gastroenterology. DOI: 10.3109/00365529209000145
Jones HF et al. (2011): “Fructose malabsorption and symptoms of irritable bowel syndrome.” Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. DOI: 10.1097/MPG.0b013e3181f42c0f
Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Hintergrundinformationen zu Fructosemalabsorption und Unverträglichkeiten.



