• Nutri-Score bei Fructoseintoleranz

Nährwertkennzeichnung bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Von |2021-02-01T11:41:58+01:00Februar 1st, 2021|Kategorien: Fructoseintoleranz|Tags: , |

Hilft der Nutri-Score Menschen mit Fructoseintoleranz?

Seit Herbst 2020 säumt eine weitere Kennzeichnung von Lebensmitteln immer mehr Produkte im Einzelhandel. Die Rede ist vom sogenannten Nutri-Score, der farblich hinterlegt die Buchstaben A, B, C, D und E auf die Lebensmittelverpackungen bringt. Doch was bedeutet die bunte Farbampel eigentlich und reicht der Informationsgehalt aus, um bei Fructoseintoleranz die richtige Wahl zu treffen?

Was steckt hinter dem Nutri-Score?

Um ein Lebensmittel mit dem Nutri-Score auszuzeichnen, werden Nährstoffe und Energiegehalt miteinander verrechnet und bewertet. Sticht das dunkelgrüne A im Nutri-Score optisch hervor, zeigt das an, dass Nährstoffmix und Energiegehalt günstig sind. Das dunkelrote E hingegen soll eher warnende Wirkung haben und zeigen, wie ungünstig die Nährstoffzusammensetzung des Produkts ist.

Die Idee hinter dem Nutri-Score war einerseits die einfache, transparente Ausweisung der Produktqualität mit Blick auf die Gesundheit der Konsumenten – so dass die Verbraucher auf den ersten Blick sehen können, ob sie viel oder wenig des Produkts in den Einkaufswagen laden sollten, um sich gesund zu ernähren. Im Nachbarland Frankreich sollen Studien bereits ergeben haben, dass der Nutri-Score die Kaufentscheidung hin zu gesünderen Lebensmitteln begünstige. Zudem sollen Hersteller dazu motiviert werden, ihre Produkte so herzustellen, dass sie ein dunkelgrünes A oder zumindest ein hellgrünes B erreichen.

So wird der Nutri-Score berechnet: Die manchmal oft recht unübersichtliche Nährwerttabelle auf einem Produkt liefert die Grunddaten zur Berechnung des Nutri-Scores, jeweils in der Einheit pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Positiv bewertet werden Nüsse, Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und ausgewählte Öle. Sie bekommen Punkte zwischen 0 und 15, wobei 15 bedeuten würde, dass das Produkt besonders viel der positiven Inhaltsstoffe hat. Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren sowie die Kalorienanzahl liegen auf der Waagschale der ungünstigen Inhaltsstoffe und können ein sehr positives Ergebnis deutlich schmälern. Sie werden mit Punkten zwischen 0 und 40 bewertet, wobei 40 bedeutet, dass das Produkt besonders viele, schlechte Inhaltsstoffe hat. In Summe bekommen dann die Produkte das grüne A, die nur wenige Gesamtpunkte haben.

Fruchtzwerg vs. Schokopudding

Um transparent zu machen, wie der Nutri-Score berechnet wird, hat die Stiftung Warentest zwei Produkte verglichen: Fruchtzwerge, die beliebten Mini-Joghurts, bekommen für Kalorien, Zucker und Fettsäuren vier „schlechte“ Punkte. Davon werden drei Punkte abgezogen, weil der Proteinhalt mit drei „positiven“ Punkten bewertet wird. Summa summarum landen Fruchtzwerge dann beim rechnerischen Wert 1 und erhalten ein B auf dem Nutri-Score. Der Schoko-Pudding mit Sahne erhält hingegen nur ein C auf dem Nutri-Score. Dafür sind die sieben „schlechten“ Punkte für Kalorien, Zucker und gesättigte Fettsäuren verantwortlich. Davon kann bei diesem Produkt nur ein Punkt abgezogen werden, weil der Proteingehalt nicht so hoch ist. In Summe liegt der Schoko-Pudding mit Sahne also bei sechs Nutri-Score-Punkten und bekommt ein gelbes C auf dem Nutri-Score.

Wie wird der Nutri-Score sinnvollerweise angewendet?

Der Nutri-Score schafft Vergleichswerte. Dabei ist es wichtig, gleiche Produktgruppen zu vergleichen. Müsli beispielsweise kann B oder D sein, was in weiten Teilen vom Zuckergehalt abhängig ist. Zucker könnte einen Mix aus gesunden Körnern schnell zum D-Müsli in orangener Warnstufe machen. In ihrer Kampagne wirbt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft genau dafür: fürs Vergleichen von Produkten derselben Produktgruppe. Verglichen werden können Müsli, Pizza, Joghurt und alle verpackten Produkte, die auch eine Nährwerttabelle tragen und deren Hersteller sich für den Nutri-Score entschieden haben.

Doch nutzt der Nutri-Score nun Menschen mit Fructoseintoleranz?

Menschen mit einer Fructoseintoleranz oder einer anderen Lebensmittelunverträglichkeit können beim Blick auf den Nutri-Score nicht sofort erkennen, ob das Lebensmittel geeignet ist oder nicht. Sie können den Nutri-Score nur in sehr eingeschränktem Maß nutzen.

Fertiges Apfelmus beispielsweise kommt bei einigen Anbietern auf einen Nutri-Score von B. Positiv bewertet werden dabei der niedrige Fettgehalt, die geringe Anzahl an gesättigten Fettsäuren und der geringe Salzanteil. Negativ zu Buche schlagen grundsätzlich der hohe Zuckeranteil, der jedoch nur mit Blick auf die Nährwerttabelle sichtbar wird. Das hellgrüne B im Nutri-Score täuscht darüber hinweg. Auch der hohe Fructose-Gehalt von Äpfeln wird natürlich nicht im Nutri-Score dokumentiert, würde aber bei Menschen mit Fructoseintoleranz eine Unverträglichkeitsreaktion auslösen. Bei einem Fruchtjoghurt könnte es zum selben Resultat kommen – nämlich, dass der Nutri-Score ein hellgrünes B ausgibt, weil der Proteingehalt hoch ist, den Zuckergehalt nivelliert und den Fructosegehalt völlig ignoriert.

Fazit:

Für Menschen mit einer Fructoseintoleranz hat der Nutri-Score keinen erklärten Mehrwert, denn sie müssen ohnehin einen Blick auf die Nährwerttabelle und die Inhaltsstoffe werfen und abwägen, welche einzelnen Bestandteile des Lebensmittels sich wie auf die Nahrungsmittelverträglichkeit auswirken. Handelt es sich um Produkte, die für Menschen mit Fructoseintoleranz geeignet sind, kann ein Blick auf den Nutri-Score insofern helfen, hier gesündere Produkte zu finden – beispielsweise bei der Auswahl von Knäckebrot oder Reiswaffeln.


Fotonachweis: (c) adobe media, Nutri-Score Label, 5-colour Nutrition Label, von wwwebmaster

AUTORIN

Steffi Brand

KATEGORIE

Fructoseintoleranz

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01. Februar 2021

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