• Ernährungsberatung bei Nahrungsmittelintoleranz

Ernährungsberatung bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Von |2020-10-23T11:17:41+02:00Oktober 23rd, 2020|Kategorien: Fructoseintoleranz, Histaminintoleranz|Tags: , |

Wie funktioniert eigentlich eine Ernährungsberatung?

Hat der Hausarzt eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit festgestellt und die Empfehlung ausgesprochen, Weizen, Gluten, Fruktose, Histamin, Laktose oder sonstige Inhaltsstoffe zu meiden, dann ist man als Betroffener zunächst verunsichert. Es stellt sich unter anderem die Frage, welche Lebensmittel in welcher Menge verzehrt werden können und worauf man beim Einkauf achten muss.

Warum Ernährungsberatung?
Eine professionelle Ernährungsberatung vermittelt das notwendige Wissen zu individuellen Nahrungsmittel-Unverträglichkeit und unterstützt die Ernährungsumstellung. Gemeinsam mit dem Ernährungsberater lässt sich herauszufinden, inwieweit der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel notwendig ist und wie dennoch eine ausgewogene und gesunde Ernährung im Alltag gewährleistet wird. Meist kann der Hausarzt eine Empfehlung für einen geeigneten Ernährungsberater aussprechen. Denn bei der Wahl eines passenden Ernährungsberaters gibt es einiges zu beachten, unter anderem sollte der Ernährungsberater allergologisch geschult sein.

Gründe, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen

Personen mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeit verzichten nicht selten komplett auf bestimmte Lebensmittel, obwohl das gar nicht notwendig wäre. Sie schränken ihren Lebensmittelkonsum stark ein, was einerseits die Lebensqualität beeinträchtigt, zum anderen aber auch zu Mangelernährung führen kann. Denn meist können bei Unverträglichkeiten dennoch geringe Mengen bestimmter Lebensmittel verzehrt oder durch eine bestimmte Garmethode verträglicher zubereitet werden. Die professionelle Ernährungsberatung hilft Betroffenen herauszufinden, welche Speisen sie in welchen Mengen vertragen.

Sie erhalten Tipps für das Kochen zu Hause und für essen auswärts, also im Restaurant oder auf Reisen. Zudem erfahren Betroffene mehr über ihr Krankheitsbild, was dazu beiträgt, Ängste und Unsicherheiten zu mindern. Im Übrigen kann eine Ernährungsberatung auch ohne konkrete Diagnose sinnvoll sein. Ein Ernährungstagebuch, in dem die Mahlzeiten und Symptome notiert werden, vereinfachen den Weg zu richtigen Diagnose und zur passenden Ernährung.

Professionelle Ernährungsberatung

Foto: Professionelle Ernährungsberatung bei Lebensmittel-Unverträglichkeit und empfindlichem Magen und Darm. (c) adobe media, von Photographee.eu

Die Wahl eines geeigneten Ernährungsberaters

Da die Bezeichnung „Ernährungsberatung“ nicht geschützt ist, können auch Personen ohne fundierte Ausbildung eine solche anbieten. Allerdings kann eine falsche Beratung problematische Folgen nach sich ziehen. Achten Sie daher bei der Wahl des Beraters darauf, dass es sich um eine zertifizierte Ernährungsfachkraft handelt, wie zum Beispiel:

  • Ernährungswissenschaftler / Diplom-Oecotrophologe
  • Diätassistent mit entsprechender Weiterbildung
  • Ärzte mit Zusatzbezeichnung Ernährungsberater
  • Heilpraktiker mit qualifizierter Zusatzausbildung

Entscheidende Qualitätsmerkmale sind entsprechende Zertifikate und Qualifikationen der Berater. Die Zertifikate der Institutionen VDD, VDOE und DGE, sowie die QUETHEB-Registrierung sind von wissenschaftlicher Seite aus anerkannt und Voraussetzung für eine qualifizierte Ernährungsberatung. Auch eine Zusatzqualifikation des deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) ist von Vorteil.

Ablauf einer Ernährungsberatung bei Lebensmittel-Unverträglichkeit – was erwartet mich?

Die Themenwahl der Ernährungsberatung bei Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit ist zunächst einmal individuell auf den Klienten zugeschnitten. Es gibt daher kein Schema, welches auf jeden Betroffenen gleichermaßen anwendbar ist. Zunächst bietet der Ernährungsberater ein in vielen Fällen kostenloses Vorgespräch an. Im Bedarfsfall unterstützen Berater auch bei der Antragstellung für einen Zuschuss der Krankenkasse. In einem Erstgespräch wird das konkrete Anliegen, also die Unverträglichkeiten und deren Schwere besprochen und anschließend ein Beratungsumfang festgelegt. Hierbei ist es sinnvoll bereits ein Esstagebuch mitzubringen. Zu Beginn legt man außerdem persönliche Ziele und das Intervall der Beratungszeit je nach Ziel und Diagnose fest. In Folgeberatungen werden auch auftretende Fragen geklärt. Häufig bieten Ernährungsberater im Anschluss eine Nachbetreuung per Telefon oder Skype an. Mit einem fortwährenden Ernährungstagebuch können Betroffene die erlernten Methoden nicht nur beibehalten, sondern verfeinern. Die Bezahlung erfolgt in der Regel per Rechnung in Vorkasse, die dann bei den Krankenkassen vorgelegt werden kann.

Was wird in einer Ernährungsberatung besprochen?

Die Inhalte der Beratung sind je nach Diagnose und Schweregrad individuell unterschiedlich, zu den grundlegenden Themen gehören unter anderem:

  • Aufklärung über Ursachen der Lebensmittelallergie
  • Individuelle Zusammenstellung der Speisen
  • Ernährungstagebuch mit Symptomenbeschreibung
  • Vermeidung von Diätfehlern
  • Beratung über Umsetzung einer ausgewogenen Ernährung im Alltag

Personen mit Nahrungsmmittel-Intoleranz erfahren eine individuelle Beratung und persönliche Begleitung bei der Ernährungsumstellung. Bei Fructose- oder Lactoseunverträglichkeit muss man häufig nicht auf Dauer auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Es wird daher auch abgeklärt bis zu welchen Grad Laktose, Gluten, Fructose oder Histamin vertragen werden. So können Betroffe Mangelernährung und Diätstress verhindern und Malabsorptionen entgegenwirken.

Ziel einer Ernährungsberatung ist die Wiederherstellung von Lebensqualität bei hinreichender Nährstoffversorgung auch bei Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit, mit einem Konzept, das sich auch im Alltag gut umsetzen lässt. Auch die Freude am Essen und das Miteinbeziehen von Familienmitgliedern und Freunden ist wichtig.

Ziele der Ernährungsberatung

Histamin-Unverträglichkeit

  • Symptome analysieren
  • Essgewohnheiten anpassen
  • Provokationstest
  • Lebensmittel mit Histamin meiden
  • Erstellung eines Ernährungsplanes
  • Histaminentstehung vermeiden
  • Histaminfrei kochen

Fructose- und Lactoseintoleranz

  • Ermittlung der Toleranzgrenzen
  • Lactose und Fructose austesten
  • Ernährungsziele definieren
  • Erstellung eines Ernährungsplanes

Glutenunverträglichkeit

  • Aufklärung über Krankheit
  • Lebensmittel mit Gluten
  • Vermeidung von Diätfehlern
  • neue Ernährungsweise etablieren
  • speziellen Essensplan etablieren
  • höhere Lebensqualität gewährleisten

Lebensmittelallergie

  • Symptomtagebuch beprechen
  • Symptomen entgegenwirken
  • Individuelles Ernährungskonzept
  • Diätstress vermeiden
  • Nährstoffversorgung sichern
  • Freude am Essen entwickeln

Was kostet eine Ernährungsberatung?

Ein Einzelberatungsgespräch kostet im Durchschnitt zwischen 60,00 und 130,00 Euro, wobei das Erstgespräch in der Regel mehr kostet als Folgegespräche, da es ausführlicher ist. Der Preis richtet sich jedoch auch nach Bedarf und Diagnose: Manche Personen benötigen lediglich eine ein- bis zweistündige Beratung. Eine umfangreichere Ernährungsberatung mit bis zu fünf Terminen kostet insgesamt etwa 180,00 bis 400,00 Euro. Viele Ernährungsberater bieten zusätzlich folgende Dienste an:

  • Messung der Körperzusammensetzung (Körperwasser, Körperfettanteil, Muskelmasse)
  • Auswertung des Ernährungstagebuches

Wochenendkurse oder Gruppenseminare sind günstiger als Einzelberatungen und kosten im Durchschnitt etwa 100,00 bis 150,00 Euro. In vielen Fällen bezuschusst die Krankenkasse eine Ernährungsberatung. Die individuelle Höhe des Zuschusses hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab.

Unter welchen Vorausetzungen bezuschusst die Krankenkasse eine Ernährungsberatung?

Es ist sinnvoll, die Kostenübernahme bereits im Vorfeld mit der Krankenkasse abzuklären. In der Regel müssen die Angebote den oben genannten Qualitätskriterien entsprechen, um bezuschusst zu werden. Die meisten Krankenkassen leisten daher einen Zuschuss, wenn es sich um Ernährungsberatung mit Auszeichnung eines der folgenden Zertifikate handelt:

  • Verband der Diätassistenten (VDD)
  • Verband der Oecotrophologen (VDOE)
  • Verband der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Viele Krankenkassen bezuschussen im Übrigen nicht nur bei vorliegender Diagnose einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, sondern auch für präventive Gesundheitskurse. Hierbei werden sowohl Einzelberatungen als auch Ernährungskurse anerkannt.

Die DAK bezuschusst zum Beispiel auch präventive Ernährungsberatungen: Versicherte können einmal jährlich ein Präventivprogramm buchen. Die TK leistet einen Zuschuss, wenn das Angebot wissenschaftlich anerkannt ist. Die BARMER bezuschusst Ernährungsberatungen, wenn diese zertifiziert sind. Im Expertenpool des VDOE können Betroffene von zertifizierte Ernährungsberater finden. Bei Nahrungsmittelallergien lassen sich geeignete Berater unter dem Expertenpool des DAAB (Deutscher Allergie- und Asthmabund) finden. Folgende Internetmagazine helfen bei der Suche nach speziell ausgebildeten Ernährungsberatern mit nach PLZ-Gebiet sortierter Adressdatenbank:


Beitragsfoto: Ernährungsberatung bei Nahrungsmittelunverträglichkeit und Lebensmittelintoleranz. (c) adobe media

AUTORIN

Sara Puchelt

KATEGORIE

Nahrungsmittelintoleranz

GEPOSTED AM

23. Oktober 2020

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